Die Cuvée Es ist wie es ist ist kein gewöhnlicher Frankenweißwein, sondern ein bewusst komponierter Nischenwein, der auf Textur, Länge und Speisenbegleitung setzt. Wer verstehen will, warum diese Abfüllung so polarisiert, muss nicht nur auf Rebsorten schauen, sondern auf Ausbau, Jahrgang und den Unterschied zwischen Trinkfluss und bloßer Frucht. Genau darum geht es hier: Einordnung, Geschmack, Preislogik und die Frage, wann sich die Flasche wirklich lohnt.
Das solltest du über diese Cuvée sofort wissen
- Die Reihe ist eine limitierte weiße Cuvée von Horst Sauer und André Macionga aus Franken.
- Die aktuelle Abfüllung Nr. 10 aus 2020 wird auf der Herstellerseite mit 0,75 l, 1200 Flaschen und 69 Euro geführt.
- Stilistisch geht es um Kumquat, Passionsfrucht, Kräuter, leichte Rauchigkeit und spürbaren Schmelz.
- Das ist eher ein Gastronomie- und Genießerwein als ein einfacher Aperitif-Weißwein.
- Zu stark gekühlt wirkt er stumpfer, mit Luft und im passenden Glas gewinnt er deutlich.
- Die älteren Jahrgänge sind teils rar, ausverkauft oder deutlich teurer als der aktuelle Jahrgang.

Was hinter der Cuvée von Horst Sauer und André Macionga steckt
Hinter dem Namen steht eine Serie limitierter Weißwein-Cuvées aus Franken, die von Horst Sauer und André Macionga gemeinsam gedacht wurden. Auf der Herstellerseite von André Macionga Cuvée wird die aktuelle Nr. 10 aus 2020 als 0,75-Liter-Flasche mit 1200 Flaschen und 69 Euro geführt. Genau diese Kombination aus kleiner Auflage, klarer Handschrift und eigenständigem Stil macht den Wein interessant.
Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie moderner deutscher Wein heute funktionieren kann: nicht nur über Rebsortenidentität, sondern über Textur, Ausbau und Einsatz am Tisch. Als Basis tauchen bei den genannten Jahrgängen unter anderem Silvaner, Weißburgunder und Müller-Thurgau auf. Das klingt erst einmal bodenständig, im Glas wird daraus aber kein brav-leichter Alltagswein, sondern eine deutlich profilierte Cuvée aus Escherndorf mit eigenem Anspruch.
Der Name wirkt dabei fast lakonisch, der Inhalt aber keineswegs beiläufig. Gerade dieser Kontrast ist wichtig, wenn man die Flasche richtig einordnen will, denn sie ist eher als Charakterwein gedacht als als unkomplizierter Durstlöscher.
Wie der Wein im Glas wirkt
Die Verkostungsnotizen zeigen ein ziemlich klares Muster: Kumquat, Passionsfrucht, Mandarine, dazu Minze, Verbene, Limettenblatt und eine leicht rauchig-erdige Spur. Ich lese das als Wein mit viel Schmelz, also einer cremigen, gleitenden Textur, die nicht fett wirkt, sondern Spannung mitbringt. Die Bitterstoffe sind dabei kein Fehler, sondern Teil des Profils, weil sie den Abgang verlängern und den Wein gastronomisch machen.
Wichtig ist die Temperatur. Bei etwa 8 bis 10 Grad bleibt die Frische sauber, ohne dass die Aromatik eingefroren wird. Ein Burgunderglas ist hier sinnvoll, weil es dem Wein mehr Oberfläche und Luft gibt. Genau das passt zu dieser Cuvée, die sich im Glas entwickelt und nicht sofort alles preisgibt.
Ich würde ihn deshalb nicht wie einen schlichten Frühlingsweißwein behandeln. Zu kalt serviert verliert er an Tiefe, zu warm kippt die Balance schneller in Richtung Alkohol und Bitterkeit. Der richtige Moment liegt dazwischen: kühl genug für Präzision, offen genug für Duft und Textur.
Welche Jahrgänge und Abfüllungen du kennen solltest
Bei dieser Reihe lohnt sich der Blick auf die Nummerierung, weil Jahrgang, Flaschengröße und Auflage den Charakter und den Preis stark beeinflussen. Die Preislogik ist hier nicht linear: Manchmal ist ein jüngerer Jahrgang günstiger und verfügbar, während ältere Abfüllungen seltener und deutlich teurer sind. Genau deshalb sollte man nicht nur nach dem Namen kaufen, sondern nach der konkreten Edition.
| Abfüllung | Format | Auflage | Preis | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| Nr. 10 2020 | 0,75 l | 1200 Flaschen | 69 € | Aktuelle Referenz, frische Zitrusfrucht, Passionsfrucht, Minze, Rauch, guter Einstieg in den Stil |
| Nr. 9 2019 | 0,75 l | 1200 Flaschen | 69 € | Ähnlich positioniert, laut Shop auf Trinkreife bis 2043 angelegt, also mit klarer Lagerperspektive |
| Nr. 6 2016 | 0,75 l | 2800 Flaschen | 88 € | Dichter, texturbetonter, aktuell im Shop als ausverkauft geführt |
| Nr. 5 2015 | 0,75 l | 3306 Flaschen | 156 € | Deutlich teurer, reifer und sammlerischer, aber noch als Kaufoption interessant |
| Nr. 4 2014 | 1,5 l | 110 Flaschen | 159 € | Magnum, extrem selten, eher für Sammler und große Tafelrunden gedacht |
Auf einer 2026er Weinkarte bei Kunzmanns lag die Nr. 10 bei 95 Euro. Das zeigt sehr gut, wie stark sich Direktpreis und Gastronomiepreis unterscheiden können. Wer die Flasche im Restaurant bestellt, bezahlt also nicht nur den Wein, sondern auch Lagerung, Service und die kalkulierte Seltenheit mit.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Wenn du diese Cuvée verstehen willst, kauf nicht blind den teuersten Jahrgang. Ich würde zuerst prüfen, welche Nummer und welches Format auf der Flasche steht. Die Nummer ist hier mehr als Dekoration, weil sie den Jahrgangscharakter, die Auflage und oft auch die Entwicklung im Glas verrät. Eine Magnum reagiert anders als eine 0,75-Liter-Flasche, und eine seltene Edition ist nicht automatisch die bessere Trinkwahl für den Alltag.
Für den Einstieg sind die jüngeren Abfüllungen meist vernünftiger. Die Nr. 10 2020 ist preislich noch vergleichsweise zugänglich und stilistisch klar lesbar. Wer mehr Tiefe und Reife sucht, kann ältere Jahrgänge ins Auge fassen, sollte aber wissen, dass die Preise nicht nur mit Alter, sondern auch mit Seltenheit steigen. Genau da trennt sich Genusskauf von Sammelinteresse.
Ein zweiter Punkt ist der Lagerzustand. Bei einer limitierten Serie ist die Flasche selbst Teil des Werts: Füllstand, Kapsel, Lichtschutz und Herkunft spielen mit hinein. Wenn ich kaufe, dann eher eine sauber gelagerte Flasche mit nachvollziehbarem Ursprung als ein angeblich „besonderes“ Angebot ohne Kontext. Das ist bei solchen Weinen kein Nebenthema, sondern entscheidet oft über die echte Qualität im Glas.
Welche Speisen die Cuvée wirklich trägt
Dieser Wein ist gebaut für Gerichte, die Fett, Umami, Röstaromen oder Zitrusspannung mitbringen. Die offizielle Verkostungsnotiz nennt unter anderem Hummer mit Möhren und Passionsfrucht, Ente à l’Orange, Ceviche mit Kumquat, marinierten Duroc-Schweinenacken und Bouchot-Muscheln im Weißweinsud. Das ist kein Zufall, sondern ziemlich stimmig für einen Weißwein mit Schmelz und Kräuterwürze.
- Hummer oder Krustentiere mit Zitrus - die Süße der Meeresfrüchte und die Frucht des Weins greifen ineinander.
- Ente à l’Orange - Orangennoten und dezente Röstaromen finden hier einen echten Partner.
- Ceviche mit Kumquat oder Limette - die Säure bleibt lebendig, statt den Wein zu erschlagen.
- Geflügel mit hellen Saucen - besonders, wenn etwas Butter, Jus oder Gemüse-Süße im Spiel ist.
- Milde Käse mit cremiger Textur - die Cuvée hält genug Druck dagegen, ohne bitter zu wirken.
Weniger überzeugend ist der Wein dort, wo ein Gericht nur leicht, trocken und ohne Fett aufgebaut ist. Dann kann die Struktur des Weins zu dominant wirken. Auch sehr scharfe Chili-Profile würde ich mit Vorsicht behandeln, weil Bitterkeit und Capsaicin zusammen schnell härter wirken als geplant. Wenn ich den Wein auf einen Teller bringen müsste, würde ich eher an Umami, Röstaromen und eine klare, aber nicht aggressive Säure denken.
So servierst und lagerst du sie sinnvoll
Die wichtigste Regel ist erstaunlich simpel: nicht zu kalt, nicht zu warm, nicht in einem zu kleinen Glas. Der vom Produzenten empfohlene Burgunderkelch ist sinnvoll, weil er dem Wein Luft gibt und seine aromatische Breite nicht einschnürt. Ich würde die Flasche aus dem Kühlschrank nehmen, kurz antemperieren lassen und erst dann servieren, wenn sie nicht mehr eiskalt, aber noch klar frisch wirkt.
Auch beim Öffnen lohnt sich ein bisschen Geduld. Diese Cuvée gewinnt mit Luft, also mit Zeit im Glas. Man muss sie nicht zwingend dekantieren, aber 15 bis 20 Minuten im offenen Glas können schon reichen, damit sich die rauchigen und kräutrigen Noten sauber einordnen. Genau dort wird aus „interessant“ oft „eigenständig und sehr gut trinkbar“.
Für die Lagerung gilt das Übliche, aber hier besonders konsequent: dunkel, kühl, vibrationsarm und mit stabiler Temperatur. Der Shop nennt für den 2019er eine Trinkreife bis 2043, was zumindest zeigt, dass die Cuvée nicht nur auf kurzfristige Frische angelegt ist. Ich würde sie dennoch nicht jahrelang unkontrolliert liegen lassen, wenn es dir vor allem um Genuss und nicht um Sammlung geht.
Was dir diese Cuvée über modernen deutschen Wein zeigt
Die Reihe ist interessant, weil sie zeigt, wie weit deutsche Weißweine heute über das klassische Bild von „frisch und sauber“ hinausgehen können. Hier spielen Herkunft, Rebsorten, Textur und Speisenbezug zusammen, und genau daraus entsteht der Reiz. Wer nur eine leichte Zitrusfrische sucht, wird hier nicht das ganze Bild bekommen; wer aber Weine mag, die sich entwickeln und am Tisch etwas erzählen, findet eine sehr stimmige Referenz.
Mein Rat ist deshalb ziemlich klar: Nimm diese Cuvée ernst, aber nicht ehrfürchtig. Sie ist kein Museumswein, sondern ein Charakterwein mit gastronomischem Denken. Wenn du den Stil verstehen willst, beginne mit der aktuellen Abfüllung oder einem gut gelagerten jüngeren Jahrgang, serviere ihn im richtigen Glas und setze ihn an einen Teller mit Substanz. Dann zeigt sich schnell, warum Es ist wie es ist mehr ist als nur ein Name.
