Dieses Gut steht für Chianti Classico mit klarer Handschrift: Herkunft, präzise Arbeit im Weinberg und eine Stilistik, die eher auf Spannung als auf Lautstärke setzt. Ich gehe hier darauf ein, warum der Name im Weinhandel und bei Weinfreunden so präsent ist, welche Weine man kennen sollte und worauf man beim Kauf oder bei einem Besuch in der Toskana achten kann.
Die wichtigsten Punkte zu diesem Gut in Kürze
- Der Betrieb liegt in San Donato in Poggio zwischen Florenz und Siena, also mitten im Kerngebiet des Chianti Classico.
- 1956 wurden die beiden Dörfer Isole und Olena zu einem Gut vereint; seit 1976 prägt Paolo De Marchi die moderne Ausrichtung.
- Der klassische Chianti Classico DOCG, Cepparello als 100-prozentiger Sangiovese, Chardonnay, Syrah, Cabernet Sauvignon und Vin Santo sind die wichtigsten Flaschen.
- Der Stil ist elegant, strukturiert und auf Lagerfähigkeit ausgelegt, nicht auf kurzfristige Effekte.
- Vor Ort gibt es Verkostungen, Führungen und Besuche mit Blick auf das Val d'Elsa.
Zwei Dörfer mit einer gemeinsamen Herkunft
Die Geschichte beginnt nicht mit einem großen Schloss oder einem mondänen Weingut, sondern mit zwei kleinen Orten, die einst nur rund einen Kilometer voneinander entfernt lagen. Isole und Olena waren früher eigenständige Siedlungen, und genau aus dieser Doppelstruktur entstand später ein Gut, das heute im Chianti Classico als feste Adresse gilt. 1956 vereinte Francesco De Marchi, ein Jurist aus dem Piemont, beide Orte zu einem Betrieb. Das ist mehr als ein romantisches Gründungsdatum, denn damit wurde aus einem ländlichen Mosaik ein klar gefasstes Weingut.
Wichtig ist auch die Lage: San Donato in Poggio, zwischen Florenz und Siena, im westlichen Teil des Chianti Classico. Dort sitzt das Herz der Produktion, inklusive Keller, Verkostungsraum und Terrasse mit Blick ins Val d'Elsa. Olena wirkt bis heute bewusst bewahrt, während Isole das produktive Zentrum bildet. Für mich ist genau diese Kombination spannend, weil sie zeigt, dass Herkunft hier nicht ins Museum geschoben wird, sondern weiterarbeitet. Genau daraus ergibt sich, warum der heutige Stil so präzise und spannungsreich wirkt.
Warum dieses Gut den modernen Chianti Classico geprägt hat
Der eigentliche Stilbruch kam 1976, als Paolo De Marchi den Betrieb übernahm. Statt auf Menge zu setzen, suchte er nach den besten Reben und markierte vor der Ernte vielversprechende Stöcke mit Bändern. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber im Kern eine sehr strenge Qualitätsstrategie: beobachten, selektieren, vermehren, verfeinern. So entstand ein Ansatz, der nicht von Ideologie, sondern von Rebenbeobachtung ausging.
Besonders deutlich wurde das mit Cepparello, dem Spitzenwein des Hauses. Er wurde 1980 erstmals vinifiziert und steht bis heute für 100 Prozent Sangiovese unter IGT Toscana. Genau das machte ihn damals so bemerkenswert: Ein großer toskanischer Rotwein musste nicht zwangsläufig aus einem Blend bestehen, sondern konnte seine Größe auch aus reinem Sangiovese ziehen. Ich sehe darin einen der Gründe, warum der Betrieb bis heute als Referenz für strukturierten, terroirbetonten Chianti Classico gilt. Am besten lässt sich das an den einzelnen Weinen ablesen.

Die Weine, die man kennen sollte
Wer das Gut verstehen will, sollte nicht nur auf den bekanntesten Rotwein schauen. Die Kollektion zeigt sehr gut, wie konsequent das Haus Herkunft, Experiment und handwerkliche Präzision verbindet. Gerade im Vergleich der Flaschen erkennt man, dass hier nicht einfach verschiedene Etiketten nebeneinander stehen, sondern ein klarer Stilgedanke.
| Wein | Einordnung | Was ihn auszeichnet | Wofür er sich lohnt |
|---|---|---|---|
| Chianti Classico DOCG | Der traditionelle Kern des Hauses | Erstmals 1969 erzeugt, elegant, komplex und dennoch gut zugänglich | Wenn man einen klassischen, essensfreundlichen Sangiovese sucht |
| Cepparello | Flaggschiff und Referenzwein | 100 Prozent Sangiovese, erstmals 1980, mit starkem Reifepotenzial | Für Sammler, Langläufer und alle, die große Toskana ernsthaft verkosten wollen |
| Chardonnay | Toskanischer Weißwein mit Anspruch | Erstmals 1987, Ausbau in kleinen Fässern, davon 25 bis 30 Prozent neues Holz, danach langer Kontakt mit Feinhefe, also den Hefesedimenten | Wenn ein Weißwein Substanz und nicht nur Frische haben soll |
| Syrah | Mutige Einzelrebsorte | Seit 1984 im Betrieb verankert, mit Fassausbau und hoher Entwicklung im Flaschenlager | Für alle, die toskanische Weine abseits des Erwartbaren mögen |
| Cabernet Sauvignon | Kleine, konzentrierte Produktion | Reben teils über 20 Jahre alt, 1 Jahr Barrique, also kleines Eichenfass, danach rund 2 Jahre Flaschenreife | Wenn man einen dichter gebauten Rotwein mit klarer Struktur sucht |
| Vin Santo del Chianti Classico DOC | Der süße Abschluss | Malvasia und Trebbiano, etwa 3 Monate Trocknung, danach 11 Jahre in kleinen Caratelli, also verschlossenen Holzfässern | Für den klassischen toskanischen Abschluss nach dem Essen |
Ich würde den Vergleich ganz bewusst so lesen: Chianti Classico zeigt die Alltagskompetenz, Cepparello die Spitze, Chardonnay und Syrah den experimentellen Mut und Vin Santo die tiefe Verwurzelung in der Region. Wer nur eine Flasche auswählt, nimmt oft den Chianti Classico. Wer den Stil des Hauses wirklich verstehen will, vergleicht zwei bis drei Weine nebeneinander. Die Frage ist also nicht nur, was im Keller entsteht, sondern wie man diese Weine im Alltag liest.
So wirkt der Stil im Glas und für wen er passt
Der rote Faden durch die Kollektion ist für mich die Balance. Das Haus spricht selbst von Eleganz, Komplexität und Ausgewogenheit, und genau das bestätigt sich in der Praxis. Die Rotweine sind selten laut, sondern meist präzise gebaut: lebendige Säure, fein gezeichnete Frucht, spürbare Struktur. Das ist wichtig, weil viele Käufer bei Toskana automatisch an Wucht und Holz denken. Hier liegt der Schwerpunkt eher auf Kontur als auf Masse.
Für die Einordnung hilft eine einfache Faustregel: Der Chianti Classico ist der offenste Einstieg, Cepparello der längere Gedanke, Chardonnay der anspruchsvolle Weißwein und Vin Santo der klassische Schlussakkord. Bei jüngeren Rotweinen lohnt etwas Luft, vor allem wenn man die Weine nicht nur trinken, sondern nachvollziehen will. Ich serviere die roten Lagenweine meist bei 16 bis 18 Grad, den Chardonnay eher bei 10 bis 12 Grad und Vin Santo leicht gekühlt. Das klingt banal, macht aber geschmacklich mehr aus, als viele vermuten.
- Zu Pasta mit Ragù, geschmortem Fleisch oder Pecorino passt der Chianti Classico besonders gut.
- Cepparello braucht eher ein ernsthaftes Gericht als bloß einen Snack, etwa Wild, Lamm oder gereifte Käse.
- Chardonnay funktioniert gut zu Fisch mit Butter, Geflügel oder Pilzgerichten.
- Vin Santo lebt von klarer Süße und feiner Säure, also ideal zu Cantuccini oder einem schlichten Mandelgebäck.
Wer die Weine so einordnet, vermeidet den häufigsten Fehler bei toskanischen Spitzenbetrieben: Man erwartet pauschal schweres Rot, bekommt aber feingliedrige Weine mit viel innerer Spannung. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf den Ort selbst.
Ein Besuch vor Ort lohnt sich vor allem für zwei Dinge
Das Gut bietet Besuche mit Weinverkostung, Führungen und Formate, die die beiden historischen Dörfer sowie den Keller einbeziehen. Das ist nicht nur touristisches Beiwerk. Gerade hier versteht man, wie stark Landschaft, Baukörper und Weinbereitung zusammenhängen. Die Terrasse über dem Val d'Elsa ist dafür ein gutes Beispiel: Man sieht die Hügellage, und man begreift sofort, warum die Weine nicht auf platte Opulenz ausgelegt sind.
Wenn ich einen Besuch empfehlen würde, dann vor allem aus zwei Gründen. Erstens kann man die Stilunterschiede zwischen Chianti Classico, Cepparello und den übrigen Weinen direkt erleben. Zweitens lässt sich der Ort selbst lesen, also die konservierte Architektur von Olena, das produktive Zentrum in Isole und die Arbeit im Weinberg. Für eine Reise zwischen Florenz und Siena ist das zudem logistisch sinnvoll, weil man Chianti nicht nur als Postkartenmotiv sieht, sondern als konkreten Produktionsraum. Wer dort probiert, bekommt mehr als eine Verkostung, nämlich einen klaren Eindruck davon, wie das Haus denkt. Und genau darin liegt der bleibende Wert des Guts.
Für Weinreisende aus Deutschland ist das besonders interessant, weil sich hier ein sehr italienischer Ort erstaunlich gut in eine nüchterne Kaufentscheidung übersetzen lässt: Wer Charakter, Herkunft und Lagerfähigkeit sucht, sollte zuerst den Chianti Classico verkosten und danach Cepparello danebenstellen. Wer einen einzelnen Wein für die Erinnerung mitnehmen will, nimmt den Klassiker. Wer verstehen will, warum dieses Haus im Chianti so viel Gewicht hat, greift zum Spitzenwein und beobachtet, wie er mit Luft und Zeit gewinnt.
